Freudentaler Ortsrundgang: Jüdische Geschichte

Freudentaler Ortsrundgang: Lokalgeschichte

Freudentaler Naturlehrpfad

Schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebten Juden in Freudental, Nachweise gibt es für die Jahre 1525 und 1544. Eine dauerhafte Ansiedlung ergab sich, möglicherweise wegen der mehrfach wechselnden und teils zersplitterten Ortsherrschaft, aber erst, als Johann Gottlob Zobel von Giebelstadt dem Flehinger Schutzjuden Seligmann Wolff am 8. September 1723 einen Schutzbrief gab, dessen Bestimmungen bereits wenige Tage später, am 22. September 1723, durch einen zweiten Schutzbrief bedeutend erweitert wurden. Wolff und seine aus „sechs Haushaltungen“ bestehende Gruppe ließen sich im Gesindehaus des damaligen Oberen Schlosses in der Strombergstraße 25 nieder, das noch heute als Judenschlössle bekannt ist.

1727 fiel der Ort an Wilhelmine Christine von Grävenitz, die einflussreiche Mätresse des württembergischen Herzogs Eberhard Ludwig. 1729 ließ sie sich – ihr Stern war mittlerweile im Sinken begriffen – in Freudental ein neues Schloss errichten. Zwei Jahre später entschloss sie sich, weitere 24 jüdische Familien in ihrem Dorf anzusiedeln und ihren und Ludwig Eberhards Hoffaktor Levin Fränckel zum Vorsteher der örtlichen jüdischen Gemeinde zu machen. Am 1. Oktober 1731 räumte sie den Freudentaler Juden ungewöhnlich weitgehende Freiheiten ein, ihr Judenedikt ist frei von religiöser Diskriminierung und ermöglichte der jüdischen Gemeinde auch im bürgerlichen Leben eine weitgehende Selbstverwaltung. Nur 14 Tage später indessen ließ der Herzog seine frühere Mätresse in Freudental verhaften, das Dorf wurde von der herzoglichen Hofkammer vereinnahmt.

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Anno 1304 als „Froedental“ erstmals urkundlich genannt, am Fuße des Strombergs, 270-290 m über dem Meeresspiegel gelegen, entwickelte sich der Ort im oberen Bereich des Steinbachtals vom Gut zum Sitz eines Jagdschlosses der Gräfin von Würben, geborene von Grävenitz.

Schon vorher, seit dem Bau des Schlosses 1729 aber verstärkt, wurden jüdische Familien in Freudental angesiedelt. Die 1770 erbaute Synagoge und die jüdische Gemeinde prägten den Ort mit. Die historische Hauptachse, die Hauptstraße und in ihrer Verlängerung die Strombergstraße, welche zum Ensemble „Synagoge-Schneckenturm-Judenschlössle“ hinführt, wird durch giebelständige Putzbauten, zum Teil mit Krüppelwalm, geprägt.

Der Ort mit einer Markungsfläche von ca. 307 ha ist umgeben von Wald und Weinbergen und bietet wunderschöne Wander- sowie Radmöglichkeiten. Ursprünglich war das gesamte obere Steinbachtal bewaldet, bis es im späten Mittelalter gerodet wurde. Allerdings befindet sich der Wald um Freudental in Privatbesitz oder gehört den umliegenden Kommunen. Die Gemeinde hat keinen eigenen Wald. Die Landwirtschaft nimmt in Freudental durch die sehr kleine Markungsfläche keine dominierende Stellung ein. Es gibt nur einen landwirtschaftlichen Vollerwerbsbauern sowie einige Nebenerwerbsbetriebe, die hauptsächlich Weinbau betreiben.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Freudental immer mehr zur Wohngemeinde und das bebaute Gebiet wurde mehrfach erweitert, da sich die Einwohnerzahl Freudentals von 565 Einwohnern im Jahr 1939 auf heute 2.483 (30. Sept. 2017) erhöht hat.