Schlossstraße 4 – Schloss

Jüdische GeschichteLokalgeschichte

Der älteste Teil des Freudentaler Schlosses ist eine Kellermauer aus dem 16. Jahrhundert. Sie stammt aus einem Vorgängerbau der heutigen Anlage, dem sogenannten Unteren Schloss. 1729 beauftragte Wilhelmine Christine von Grävenitz den Architekten Paolo Retti (1691-1748), den Bruder Leopoldo Rettis und Neffen Donato Giuseppe Frisonis, mit der Errichtung des Neubaus und der Anlage eines Schlossparks. Die einflussreiche Mätresse Herzog Eberhard Ludwigs, deren Stern in ihrer Freudentaler Zeit bereits im Sinken war, brachte auch ihren und Eberhard Ludwigs Hoffaktor Levin Fränckel nach Freudental, den sie in ihrem Judenedikt von 1731 zum Vorsteher der örtlichen jüdischen Gemeinde machte. König Friedrich I. ließ die Schlossanlage, die 1736 – fünf Jahre nach Sturz und Vertreibung der Grävenitz – mitsamt dem Dorf an das Haus  Württemberg gefallen war, zwischen 1810 und 1816 zu seiner Jagd- und Sommerresidenz ausbauen. In dieser Zeit enstanden auch die für das Ortsbild prägenden Nachbarbauten am Schlossplatz: der Prinzenbau (das heutige Rathaus) und die ehemalige Kaserne. Von 1867 bis 1903 wohnten Pensionärinnen des Stuttgarter Katharinenstifts im Freudentaler Schloss, 1911 wurde es zum Erholungsheim der Stuttgarter Ortskrankenkassen, in den beiden Weltkriegen diente es als Lazarett. Im Frühsommer 1945 gehörten auch Überlebende des Konzentrationslagers Vaihingen zu den in Freudental gepflegten Rekonvaleszenten. Zwei von ihnen überlebten die Folgen der KZ-Haft nicht, sie sind auf dem Jüdischen Friedhof bestattet. In den ersten Nachkriegsjahren dienten das Schloss und sein Park als Lungensanatorium, von 1961 bis 2007 als zentrales Altersheim des Landkreises Ludwigsburg. Seither ist es in Privatbesitz.

© Steffen Pross