Pforzheimer Straße 4

Jüdische Geschichte

Das Haus Pforzheimer Straße 4 gehörte bis 1940 der Familie des 1920 verstorbenen Kaufmanns, Gemeindevorstehers und Schofarbläsers Wolf Marx. Seine zweite Frau Regine Marx  zog hier seine Kinder aus erster Ehe groß, Hanna, die später allegmein Herta genannt wurde, und Ludwig Marx. Beide verheirateten sich nach außerhalb. Herta, verheiratete Krämer, kehrte allerdings zweimal für längere Zeit in ihr Elternhaus und damit zu Regine Marx zurück: Zunächst, im August 1914, zur Geburt ihrer älteren Tochter Erna – beide blieben möglicherweise bis Kriegsende in Freudental. Dann, im Herbst 1938, mit der jüngeren Tochter Käthe: Das Mädchen war schwerbehindert, die Mutter wartete mit der Tochter in Freudental auf ein Visum für die USA, wo sich Käthes Vater und Schwester bereits befanden. Doch der Plan scheiterte: Herta Krämer brachte ihre Tochter in der Heil- und Pflegeanstalt Ingerkingen unter und flüchtete in die USA, wo sich inzwischen auch Ludwig Marx aufhielt. Käthe Krämer überlebte zwar den als „Euthanasie“ verbrämten Massenmord an Behinderten und Kranken, wurde aber nach Auschwitz deportiert. Regine Marx verkaufte das Haus 1940, um sich vom Erlös einen Platz im Israelitischen Landesasyl Wilhelmsruhe in Sontheim kaufen zu können. Nach der „Arisierung“ der Wilhelmsruhe musste sie nach Freudental zurückkehren: Sie lebte jetzt im „Judenhaus“ bei den Herrmanns in der Strombergstraße 11. Am 22. August 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert.

© Steffen Pross