Strombergstraße 25 – Judenschlössle

Jüdische GeschichteLokalgeschichte

Schon im frühen 16. Jahrhundert haben nachweislich Juden in Freudental gelebt. Zu einer dauerhaften Ansiedlung scheint es aber erst  gekommen zu sein, als der damalige Besitzer des Dorfes, Freiherr Johann Gottlob Zobel von Giebelstadt, im September 1723 dem aus Flehingen im Kraichgau stammenden Schuzjuden Seligmann Wolff und seiner aus „sechs Haushaltungen“ bestehenden Familie in zwei Schutzbriefen das Hauptgebäude des „Oberen Schlosses“ überließ. Dieser Hauptbau – das heute als Judenschlössle bekannte Haus Strombergstraße 25 – war 1614 als Gesindehaus errichtet worden und muss sich 1723 in einem jämmerlichen Zustand befunden haben. Jedenfalls verpflichtete Zobel seine neu erworbenen Schutzjuden zur Renovierung des Gebäudes; sie scheint geradezu der Hauptzweck der Ansiedlung des Seligmann Wollf und seiner Leute gewesen zu sein. Die Freudentaler Juden bewohnten das Haus auch noch 1731, als die Grävenitz als neue Ortsherrin in ihrem – für die Zeit ungewöhnlich liberalen – Judenedikt ihren Hoffaktor Levin Fränckel zum Vorsteher der jüdischen Gemeinde machte, Gleiches gilt auch für 1733, als das Dorf nach dem Sturz der Grävenitz an die herzogliche Hofkammer fiel. Allerdings bewohnten die Freudentaler Juden inzwischen mindestens ein weiteres Haus, eine erste amtliche Namensliste von 1738 zählt 15 jüdische Haushalte mit 101 Personen auf.
Auch ihre erste Synagoge befand sich im Judenschlössle, möglicherweise diente ein mit Stuck dekorierter Raum im Erdgeschoss als erster Betsaal. Bevor 1770 das noch heute erhaltene Synagogengebäude entstand, wurde 1738 auf dem Areal des ehemals „Oberen Schlosses“ im Bereich des heutigen Synagogenhofes ein zweiter Betsaal eingerichtet und 1750 erweiter. Allerdings waren diese Vorgängerbauten offenkundig äußerst bescheiden und bald zu klein. Die Synagoge von 1750 war bereits 1769 baufällig.

© Steffen Pross