Das Haus lag schon damals in der Hauptstraße 18, doch auf dem Schild an der Ecke, das heute auf die Strombergstraße hinweist, stand 1932 das Wort „Judengasse“. Der Name war gebräuchlich, aber nicht offiziell gewesen, als Straßennamen im Jahr 1930 in Württemberg obligatorisch wurden. Doch 1932 hatte die antisemitische Hetze neue Dimensionen erreicht, und im Haus Hauptstraße 18 wohnte eine allgemein als besonders wohlhabend geltende, jüdische Familie: Klara Jordan, die Witwe des jüngst verstorbenen Viehhändlers und Freudentaler Gemeinderats Josef Jordan, mit Sohn Erich. Ihr Schwager und Kompagnon Julius Jordan machte sich offenkundig Sorgen und wurde mit einigen anderen Freudentaler Juden im Mai 1932 beim Gemeinderat vorstellig. Das Anliegen: Die Judengasse solle einen neuen Namen erhalten, da der jetzige „zumal derzeit aufreizend wirke, insbesondere nachdem das Täfelchen am Hause eines Israeliten angebracht sei“. Der Gemeinderat lehnte ab – um zehn Monate später, im Zuge der Gleichschaltung auch des Freudentaler Gemeinderats, zu beschließen,  „einem mehrfachen Wunsche entsprechend die Judengasse in Strombergstraße“ umzubenennen.  Julius Steins Antrag war so entsprochen und er war doch in sein Gegenteil verkehrt worden: Statt einen Ansatzpunkt antisemitischer Hetze zu entfernen, ging es nun darum, die Freudentaler Straßennamen „judenfrei“ zu machen. Aus der Hauptstraße wurde übrigens im gleichen Zuge die Adolf-Hitler-Straße, und zwar, wie das Ratsprotokoll zur Verdeutlichung der Abgrenzug anzuführen genötigt ist, „von Wertheimer bis Weil„.
Erich Jordan wurde mehrfach von „arischer“ Kundschaft im eigenen Haus überfallen und brutalst zusammengeschlagen, er flüchtete 1937 mit  seiner Frau Gertrud ins anonymere Stuttgart und  im August 1941 in die USA. Freudental hatte er also schon früher verlassen, doch dürfte er damit der letzte Freudentaler Jude gewesen sein, der noch vor Einsetzen der Deporationen aus Deutschland herauskam. Klara Jordan musste ihr Haus im Herbst 1941 unter Zwang verkaufen und ins „Judenhaus“ Hauptstraße 9 zu Karolinie Stein ziehen. Sie wurde am 1. Dezember 1941 nach Riga deportiert.

© Steffen Pross