Bis zu seinem Abbruch und dem damit einhergehenden Ausbau der Kreuzung von Haupt-, Stromberg-, Kirch- und Pforzheimer Straße im Jahr 1974 stand an der Ecke von Haupt- und Pforzheimer Straße das Haus der Familie Weil. Der usrprüngliche Hausherr Emil Weil führte Freudentals letzte koschere Metzgerei. Er starb bereits 1910. Danach wurde das Haus von seiner Witwe Frieda Weil und den vier Kindern Emmy, Josef. Julius und  Rita  bewohnt. 1938 lebten nur noch Frieda und Josef Weil im Haus – und auch sie wollten Deutschland schnellstmöglich verlassen. Vor dem Pogrom des 10. November 1938 hatte Frieda Weil deshalb bereits einen Kaufvertrag mit einem „Arier“ geschlossen. Doch in der Nacht drangen der NSDAP.Ortsgruppenleiter Ludwig Bauer und weitere Nazis ins Haus ein und erzwangen mit Gewalt und Terror eine weitere Senkung des ohnehin viel zu niedrigen Kaufpreises. Sie hatten zuvor im 2016 abgerissenen Gasthaus „Hirsch“, das direkt links neben dem Haus Weil stand, die Plünderung und Demolierung der Synagoge und der Jüdische Schule gefeiert. Der „Hirsch“ war seit der Gründung der Freudentaler Sektion in deser Gaststätte das ortsbekannte „Nazilokal“ Freudentals. Auf dem Bild ist gegenüber das Wirtshausschild des Landgasthofs „Lamm“ zu sehen, der zeitweise jüdischen Gastwirten gehörte. In der hauseigenen Metzgerei wurde auch später noch – vermutlich sogar bis zum Schächtverbot vom 21. April 1933 – koscheres Fleisch verkauft. Rechts an der Einmündung zur Strombergstraße ist auf dem Bild das Haus des langjährigen Gemeinderats Josef Jordan zu sehen.

© Steffen Pross